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 Arbeitskreis “Verkehrswesen”


Leiter:

Dipl.-Ing. (TU) Rudolf Miethig

Talstraße 23

14974 Thyrow

Tel.: 033731 - 30589

Der Arbeitskreis Verkehrswesen befasst sich u.a. mit der kraftfahrzeugtechnischen Entwicklung, beispielsweise der Entwicklung von der

Klotzbremse über die

Trommelbremse zur

Scheibenbremse

(siehe Bilder links).

Die Entwicklung geht weiter in Richtung elektrisch betätigter Bremsen.

Weitere Themen des AK sind:

- Erhöhung der Verkehrssicherheit

- Prüfung von Kfz

- Bekämpfung umweltschädlicher Wirkungen von Kfz, insbesondere der Abgase

- Alternative Antriebe und Kraftstoffe

- Verkehrssicherheit

- Erläuterungen neuer bzw. wenig bekannter verkehrsrechtlicher Bestimmungen

- Bau- und Ausrüstungsvorschriften für Kfz
(z.B. was darf, was muss am Fahrzeug angebaut sein)

- Binnenschifffahrt

- Bahnverkehr

Fotos/Zeichnungen: Miethig (VBIW)


Das achte Weltwunder

Text, Grafik und Fotos: Rudolf Miethig (VBIW)

Baumstämme wurden auf der Nordseite der europäischen Wasserscheide ins Wasser geworfen und kamen auf der Südseite an.

Wie wurde das bewerkstelligt?

Rudolf Miethig erforschte eine ingenieurtechnische Meisterleistung des 19. Jahrhunderts im Urlaub.

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Tunnel bei Jeleni (Hirschbergen) verbindet neuen mit altem Schwemmkanal

Dreiländereck Deutschland – Tschechien – Österreich. Zu den ältesten Transportarten gehörte das Schwemmen oder Flößen von Baumstämmen. An der bayrisch-tschechischen Grenze, an den Hängen des Plöckensteins, beginnt ein Kanal, der sogar die europäische Hauptwasserscheide Nordsee/Schwarzes Meer von Nord nach Süd überwindet, der Schwarzenbergsche Schwemmkanal. Er verläuft über Böhmen nach Österreich in die Große Mühl, die in die Donau mündet. Er wurde nach seiner Inbetriebnahme 1822 als ingenieurtechnische Meisterleistung und als „Achtes Weltwunder“ gefeiert, wohl insbesondere deshalb, weil er eine Wasserscheide überquert. Der Ingenieur Joseph Rosenauer, 1770 Absolvent der Wiener Ingenieurakademie und auch Landvermesser im Dienst des Fürsten zu Scharzenberg, ersann eine Trasse, auf der man Holz aus dem Böhmerwald in die Hauptstadt Wien auf dem Wasser transportieren konnte. Er vermaß sie selbst. Der Fürst nahm den Vorschlag zum Bau eines Schwemmkanals erst an, nachdem Rosenauer auf eigene Kosten einen Probeabschnitt des Kanals bauen ließ und das Schwemmen praktisch vorgeführt hatte. 1789-1791 wurde der erste Bauabschnitt ausgeführt. 1821-1822 wurde der Kanal aufgrund des großen Holzbedarfes neuerlich erweitert, wobei der Anschluss an den alten Kanal unterirdisch durch einen 419 m langen Tunnel realisiert werden musste, wodurch er eine Länge von 52 km erreichte.

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Schema: Überwindung einer Wasserscheide durch einen Schwemmkanal

In der Literatur und in einem schönen Film „sieben kapitel aus dem leben des wassers“ wird der Kanal ausführlich beschrieben. Wie es aber gelang, eine kontinentale Wasserscheide zu überwinden, wird nicht direkt erklärt. Man muss sich das Gebirge 3-dimensional vorstellen und erkennt, dass es der Verlauf des Kanals quer zur Fließrichtung der Bäche ist, welcher die Überwindung der Wasserscheide möglich macht. Die Wasserscheide scheidet ja nur den natürlichen Verlauf der Bäche, der auf Grund der Schwerkraft der steilsten talwärts führenden Linie folgt. Zwingt man das Wasser jedoch quer dazu mit einem minimalen Gefälle zu fließen, kann man die Wasserscheide erreichen, wenn der Kanal an einem Punkt beginnt, der höher als die anvisierte Querung der Wasserscheide liegt. Weitere Kunstkniffe Rosenauers waren die Über- oder Unterquerung der ins Tal strömenden Bäche durch Aquädukte, ein System der Regulierung für den Zustrom des Wassers aus den Bächen und die zusätzliche Speisung des Kanals aus zwei Bergseen zur Zeit der Schwemme.

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Steilstufe bei Morau

Mit Hilfe des EU-Fonds zur regionalen Entwicklung konnten Teile des Kanals für das jährliche Schauschwemmen wieder zugänglich gemacht werden. Die EU finanzierte auch das Museum in Chvalšiny (nahe Český Krumlov) mit einem 3-dimensionalen Modell des Kanals. Sehr interessant ist auch die Steilstufe des Kanals nahe dem österreichischen Morau bei Sankt Oswald. Dort hat der Kanal ein stärkeres als das übliche Gefälle von 2,2 ‰. Damit die Baumstämme über den Boden des Kanals rutschen, hatte Rosenauer ebene Platten am Boden des Kanals verlegen lassen.

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Auf der Großen Mühl schwammen die Baustämme weiter zur Donau.

Rudolf Miethig (VBIW, AK Verkehrswesen)

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Neuer Produktionsstandort - Motorenbau in Kölleda

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Fotos: MDC Power GmbH

Kölleda (Landkreis Sömmerda). Welche Standorte der Kfz-Branche haben die Wende überlebt und wo sind gar neue Standorte entstanden, das ist ein ständiges im Arbeitskreis Verkehrswesen behandeltes Thema. Er fand in dem Motorenwerk im thüringischen Kölleda ein gelungenes Beispiel einer neuen Standortgründung, zumal die Motorenproduktion keine Vorgeschichte in der Region hat. Ein Funkwerk war bisher größter Industriebetrieb der Region gewesen. Im Jahr 2001 suchten die Daimler AG (damaliger Name DaimlerChrysler AG) und ihr damaliger Partner Mitsubishi einen Standort für ein neues Motorenwerk. Sie wählten die thüringische Kleinstadt Kölleda unter 49 Bewerbern aus. 2002 gründeten sie die MDC Power GmbH als 50:50-Joint-Venture. Die Wahl Kölledas war sicherlich auch ein Verdienst des Stadtrats von Kölleda mit Frank Zweimann an der Spitze, der 1992–2012 Bürgermeister der Stadt war. Die Unternehmensleitung berichtete jedenfalls über eine positive Zusammenarbeit mit Politik, Verbänden und Behörden. Der AK ist sich zudem sicher, dass auch der Anschluss an die Bundesautobahn 71, eine neu geschaffene Verkehrsanbindung an die Bundesstraße 176 sowie die Verlegung eines Industriegleises Faktoren bei der Standortwahl waren, zumal Rumpfmotoren per Bahn angeliefert und fertige Motoren per Bahn versandt werden.

Aber auch Kölleda selbst hatte in die Infrastruktur investiert. 2012 konnte das Werk 10 Jahre „Motoren Made in Kölleda“ feiern. Zu diesem Jubiläum wurde der zweimillionste Motor produziert. Ministerpräsidentin Lieberknecht freute sich mit den Motorenbauern über ihren Erfolg und sagte: „Mit der MDC Power GmbH haben wir seit mittlerweile einem Jahrzehnt einen verlässlichen Wachstumsmotor im Freistaat. Die Kölledaer Motoren treiben weltweit Fahrzeuge der Premiumklasse an und sind hervorragende Botschafter für Thüringer Qualitätsarbeit.“

Die Daimler AG hatte inzwischen die Anteile von Mitsubishi übernommen und ist somit alleiniger Eigentümer der MDC Power GmbH. Mittlerweile arbeiten bei MDC Power und den ansässigen Dienstleistungsunternehmen mehr als 1.400 Mitarbeiter.

Unsere Mitglieder wollten natürlich wissen, was dort produziert wird. Seit 2008 werden die aktuellen 4-Zylinder-Dieselmotoren für die A- bis E-Klasse, für Vans und kleine Nutzfahrzeuge dort endmontiert. Dabei fügen die Kölledaer über 160 Einzelteile und Komponenten in die Rumpfmotoren ein, die aus Stuttgart-Untertürkheim geliefert werden.

Auch die Dieselmotoren für den smart fortwo laufen hier vom Band. Der 3-Zylinder-Turbo-Diesel mit Common-Rail-Einspritzung für den smart fortwo emittiert nur 86 Gramm CO2 pro Kilometer. Nachdem die Dreiliter-Fahrzeuge des Volkswagen-Konzerns (VW Lupo 3L-Diesel, Audi A2 TDI) eingestellt worden sind, stellt dieser Wert die geringste CO2-Emission aller Fahrzeuge dar, die heute auf dem Markt sind.

Seit 2011 gehören auch die 1,6- und 2,0-Liter-Varianten des Benzinmotors für die neue Kompaktklasse
(A- und B-Klasse) zum Programm des Motorenwerks. Sie haben Direkteinspritzung mit schnellschaltenden Piezo-Injektoren für Mehrfacheinspritzung, schaltbare Wasserpumpe, hohe Verdichtung und Turboaufladung sowie ein Start Stopp-System.

Die Entwicklung des Motorenwerks geht weiter, versicherte mir die Pressesprecherin Maria Kaczmarek. Für die Nachfolgegeneration der Vierzylinder-Dieselmotoren für Mercedes-Benz wird die Produktionsfläche am Standort um zwei Werkhallen von jeweils 42.000 m² erweitert. Der Baubeginn für die Werkserweiterung ist noch in diesem Jahr geplant. Für die Implementierung der Produktionsumfänge werden über 200 Mio. Euro bei MDC Power in Kölleda investiert.

Das Beratungsunternehmen A.T. Kearney und das Wirtschaftsmagazin Produktion haben das Motorenwerk MDC Power GmbH als „Fabrik des Jahres 2012“ ausgezeichnet. „Ich freue mich sehr, dass es uns gelungen ist, diesen Preis nach Thüringen zu holen. Die MDC-Mannschaft und alle Dienstleister haben es sich verdient“, sagte Dr. Sven Breitschwerdt, Geschäftsführer der MDC Power GmbH. Der VBIW schließt sich dieser Einschätzung an.

Rudolf Miethig (VBIW, AK Verkehrswesen)

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Post aus Mladá Boleslav

E-Mail vom 02.11.2012 an den Verfasser des nachfolgenden Artikels:

Guten Tag, Herr Miethig,

ŠKODA AUTO hat das Geburtshaus von Prof. Ferdinand Porsche in Vratislavice (Maffersdorf) gekauft,
zur Zeit arbeitet man am Konzept dessen weiterer Nutzung.

Mit freundlichen Grüßen,


J. Balaz

ŠKODA AUTO, a.s.

Unternehmenskommunikation


Vratislavice gedenkt des Automobilkonstrukteurs Ferdinand Porsche

Porsche Platte

Foto: Miethig (VBIW)

Wenig bekannt ist, dass der Automobilkonstrukteur und Erfinder Ferdinand Porsche 1875  in Maffersdorf, dem heutigen Vratislavice nad Nisou (Großraum Liberec) geboren wurde. Nach Zerfall der Habsburger Monarchie und Gründung der tschechoslowakischen Republik erhielt er deren Staatsbürgerschaft, die er 1935 zu Gunsten der deutschen Staatsbürgerschaft ablegte.

Im Auftrag des AK Verkehrswesen besuchte ich das Geburtshaus von Ferdinand Porsche in Vratislavice. Was ist dort Wissenswertes zu sehen, wollten die Mitglieder wissen. Überrascht war ich zunächst, dass an dem Geburtshaus eine nagelneue Gedenktafel zu Ehren von Porsche prangte, in drei Sprachen beschriftet – tschechisch, deutsch und englisch. Das Haus war leer gezogen. Aus der führenden tschechischen Internetzeitung iDNES konnte ich erfahren, dass das Haus vom Unternehmen Škoda Auto gekauft wurde, und daher wäre es naheliegend, dass dort ein Museum zu Ehren des Mitbegründers des VW-Werks eingerichtet würde. Rudolf Dreithaler von der Škoda-Firmenzentrale bestätigte mir am Telefon nur den Kauf des Hauses, konnte mir aber nicht verraten, ob es als Museum, als Tagungsstätte oder anders gestaltet wird. Zurzeit werde es bautechnisch untersucht.

Porsche Haus

Foto: Miethig (VBIW)

Ferdinand Porsche war 1875 hier geboren worden. Schon als 14-Jähriger experimentierte er auf dem Dachboden mit Batterien und Glühlampen. Ab 1898 konstruierte er bei der Firma Lohner in Wien Spezialfahrzeuge, darunter die Vollhybrid-Zugmaschine mit Radnaben-Elektromotoren, welche auf der Pariser Weltausstellung von 1900 Furore machte. Damals wusste freilich noch niemand, dass solche Antriebe einmal Hybridantriebe genannt würden. Schließlich gründete er 1931 sein eigenes Konstruktionsbüro in Stuttgart, das später auch den Auftrag zur Entwicklung des Volkswagens erhielt.

Außer dem Porsche-Geburtshaus gibt es in Vratislavice eine Ferdinand-Porsche-Gedenkstätte. Sie ist an das Kulturzentrum der Stadt angegliedert. Dort sind Porsche-Sportwagen ausgestellt, teilweise aufgeschnitten. Mit den Sportwagen hatte aber Ferdinand Porsche wenig zu tun. Die hatte maßgeblich sein Sohn Ferry entwickelt und ab 1948 produziert. Durch die vordergründige Darstellung von Sportwagen wird leider der falsche Eindruck in der Bevölkerung verstärkt, dass Porsche nur eine Sportwagen-Marke sei. Und obwohl die Sportwagen als alltagstaugliche und technisch ausgereifte Fahrzeuge weltweit anerkannt sind und der seit 1963 produzierte 911 zu einer Ikone wurde, tritt die Bedeutung des Vaters für die Entwicklung des Automobils durch deren Darstellung in den Hintergrund. Wir werden sehen, was dort weiterhin geschieht.

 In Vratislavice gibt es noch ein allgemeines Museum der Automobilgeschichte der Liberecer Region (Muzeum motoristické historie Liberecka). In einem Kunterbunt von Exponaten wird natürlich auch hier des berühmten Sohnes der Stadt gedacht.

 Rudolf Miethig (VBIW)

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